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Ungünstige Straßenbeleuchtung in Gießen

März 2010: Neue Straßenbeleuchtung in einem Gießener Wohngebiet. Die Lampen strahlen horizonal ab und blenden.


Motivation:

Die Lampen sind in Wohngebieten ungeeignet.

  • Die Lampen strahlen horizontal ab
    • Die Wohnhäuser werden angestrahlt
      • Die Bewohner können nicht mehr ohne weiteres bei offenem Fenster schlafen, das Licht der Horizontal-Strahler würde einen gesunden Schlaf verhindern. Dadurch sinkt die Lebensqualität enorm.
      • Die Schlafzimmer müssen verdunkelt werden, entweder durch Rollläden oder mittels lichtundurchlässiger Vorhänge.
      • Alternativ müssten die Schlafzimmer nach hinten verlegt werden.
    • Der Fußweg unterhalb der Lampe ist sogar abgeschattet!
      Die Lampe scheint nicht dafür gemacht worden zu sein, die Wege zu beleuchten. Der Zweck einer Straßenbeleuchtung in Wohngebieten ist es aber, Straßen und Wege zu beleuchten. Das heißt, die Lampen sollten nach unten leuchten, dorthin wo das Licht gebraucht wird. Und genau das tut diese Art der Beleuchtung  n i c h t : Die Lampen sind in Wohngebieten dysfunktional.
  • Die Lampen blenden
    Wegen der Blendwirkung sieht man als Fußgänger weniger als bei guter Beleuchtung, die nur nach unten abstrahlt. D.h. das Licht dieser Lampen führt durch direkte Einstrahlung ins Auge zu einer verkleinerten Pupille, wodurch der eigentliche Sinn der Orientierungsfindung wieder geschmälert wird. Das gilt aber nicht nur für Fußgänger sondern auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer.
  • Ein Beispiel schlechter Straßenbeleuchtung
    "Diese Leuchten müssen dringend durch optimale Leuchten ersetzt werden - so schnell wie möglich!" heißt es auf der Website sternenpark-schwaebische-alb.de....

Die Horizontalstrahler

Die Horizontalstrahler werden auch "Pilzleuchten" genannt. Im Englischen werden diese Lampen als "Posttops" bezeichnet, da die Lichtquelle exakt an der Spitze des Mastes sitzt. Gedacht sind sie zur Ausleuchtung von Plätzen aller Art. Dagegen sind sie für die Ausleuchtung einer Straße denkbar ungeeignet. Das Licht verteilt sich über die Straße hinaus, wird also verschwendet oder landet dort, wo es nicht erwünscht wird (links mit 1/10sec, in der Mitte mit 1/500sec belichtet):


Ineffizient - aufwendig konstruiert - dysfunktional: Horizontalstrahler in Gießens Wohngebieten.


Unangenehme Fragen

Die Installation der "Posttop"-Lampen in reinen Wohngebieten wirft unangenehme Fragen auf:

  • Warum will man die Häuser anstrahlen?
  • Ist dem Entscheider bewußt, dass die Horizontal-Strahler in Wohngebieten dysfunktional sind, d.h. nur in zweiter Linie die Wege und Straßen beleuchten?
  • Ist dem Entscheider bewußt, dass die Horizontal-Strahler in Wohngebieten die Gesundheit der Anwohner gefährden? Gesunder Schlaf ist ein hohes Gut und es gibt durchaus eine sinnvolle Straßenbeleuchtung, bei der die Anwohner gut schlafen können, ohne sich verbarrikadieren zu müssen.
  • Alte Lampen erfüllen viele Jahre ihren Zweck. Das Lampengehäuse kann man reparieren oder austauschen, Leuchtmittel kann man gegen effizientere austauschen. Ist das dem Entscheider bekannt?
  • Wie hoch sind die Kosten für die Installation eines Horizontal-Strahlers?
  • Wer trägt diese Kosten?
  • Wer profitiert von der Installation der Horizontal-Strahler?
  • Wer profitiert von der horrenden Energieverschwendung?
    Durch Vergleich des Abstrahl-Winkels von - sagen wir 300° - eines Horizontal-Strahlers mit dem empfehlenswerten Öffnungswinkel von 60° eines nach unten gerichteten Lichtkegels läßt sich eine grobe Schätzung angeben: Man könnte 75 - 90 Prozent der Energie sparen!

Wie man es besser macht


In Solingen findet man vorbildliche Straßenlampen, die horizontal abgeschirmt sind. Diese blenden nicht und leuchten nur nach unten. Die Bilder links und rechts zeigen eine solche Lampe bei Tag bzw. bei Nacht (bitte anklicken zur Vergrößerung).
Hier gibt es eine Liste voll abgeschirmter Leuchten.

Aber auch in Gießen und Heuchelheim gibt es viele Beispiele für zweckmäßige Strassenbeleuchtung, vereinzelt trifft man sogar auf Lampen, die nur nach unten leuchten und nicht blenden. Einige Beispiele für zweckmäßige Straßenbeleuchtung:

  • In der Bromberger Straße beispielsweise wird die Straße beleuchtet und nicht die Häuser. Diese Beleuchtung (Typ "alte Kofferleuchte") ist aber noch verbesserbar, denn hier wird zuviel Licht auch seitlich abgestrahlt und das blendet.
  • Die aktuelle Lampe vor unserem Haus (Typ "alte Kofferleuchte") leuchtet nach unten und strahlt das Haus nicht direkt an. Die Lampe ist aber viel zu hell und strahlt zuviel seitlich ab, aber damit kann man gerade noch leben.
  • Entlang des Fahrradweges am Klingelbach zwischen Altenfeldsweg und neuer Mensa sind Lampen installiert, die sogar horizontal etwas abgeschirmt sind. Diese Lampen sind zwar viel zu grell und blenden noch seitlich, aber immerhin leuchten sie in erster Linie nach unten auf den Weg.
  • Am Eingang zur Vitos-Klink sind zwei abgeschirmte Lampen, die nur nach unten strahlen.
  • Auf der "Sachsenhäuser Brücke" (K28, Rodheimer Straße) gibt es Lampen im Retro-Look, die nach unten strahlen und nicht blenden.
  • In Heuchelheim, z.B. in der Kirchstraße, gibt es sogar Lampen, die an niedrigen Pfosten montiert sind und nach unten aufs Pflaster leuchten. Diese wären durchaus für Gehwege geeignet, allerdings würde weniger als die Hälfte der Leistung ausreichen.

Eine Lampen-Besichtigungstour durch Gießen
Unter diesem Link wird in OpenStreetMap eine Route durch die Stadt angezeigt. Ich biete allen Interessierten an, sie auf dieser Route nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Fahrrad zu begleiten und etwa 15 verschiedene Lampentypen zu besichtigen und zu diskutieren.



Ein fast richtiges Gehäuse

Gießen ist kein Präzedenzfall. Dr. Andreas Hänel konnte Stadtwerke und Entscheidungsträger seiner Gemeinde bei Osnabrück überzeugen, die Finger von den "modernen" Pilzleuchten (ähnlich der Gießener Horizontal-Strahler) zu lassen und stattdessen Aufsatzleuchten wie im Bild rechts einzusetzen, die das Licht so effektiv auf die Verkehrsfläche lenken, dass die Beleuchtungsstärke unter der Leuchte mindestens verdoppelt wurde. Er hatte Fotos von bereits installierten "modernen" Pilzleuchten mit 2 x 18 W-Lampen gemacht, wo die Hausfassaden heller als der Gehweg erleuchtet waren - offenbar hatte es überzeugt. Jetzt sind über 1000 Aufsatzleuchten mit 2 x 18 W-Lampen installiert worden, die vorwiegend nach unten strahlen. Die installierte Ausatzleuchte ist aber immer noch nicht die beste, sie hat noch ein ULOR von 3% (upward light output ratio = Abstrahlung in den oberen Halbraum), vor allem durch die geneigte Montage - aber eben besser als alle Pilzleuchten.
"Lampen mit ULOR = 0% sind am besten. Die haben eigentlich fast alle deutschen Hersteller, Jeder Fachmann sollte mit der technischen Angabe 'ULOR' umgehen können" schrieb mir Dr. Andreas Hänel in einer E-Mail.


Allgemeine Hinweise zur Straßenbeleuchtung

  • Fünf Regeln:
    • Die Lampe muss nach unten leuchten. Nach unten!
    • Die Lampe muss voll abgeschirmt sein (upward light output ratio ULR=0%).
    • Die Lampe darf nicht nach unten aus dem Gehäuse herausragen.
    • Das Abdeckglas muss plan sein.
    • Die Leuchte muss exakt horizontal montiert sein.
  • Eine Liste voll abgeschirmter Leuchten mit ULR=0
    Mit Bildern. Unter lichtverschmutzung.de (VdS Fachgruppe DarkSky).
  • Abgeschirmt, warmweiß, maßvoll, energieeffizient
    Weitere Infos für Gemeinden.
  • Der Verlust unserer Nacht, Video der International Dark-Sky Association (IDA):
    "Leuchtkörper, die das Licht nur dorthin lenken, wo wir es benötigen - nur die Orte beleuchten, wo Licht benötigt wird - unnötiges Licht abschalten."
    Unten wird das Licht benötigt, nicht am Himmel und nicht an den Hausfassaden, sondern unten !
  • Forderungen an eine umweltfreundliche Straßenbeleuchtung
    Gute und schlechte Strassenlampen mit Bildern.
  • Infos zur Straßenbeleuchtung
    "Allerdings wird eine Beleuchtungsstärke von 1 Lux auf einem Fenster bereits als störende Lichtimmision definiert (Hinweise zur Messung und Beurteilung von Lichtimmissionen, Länderausschuß für Immissionsschutz). Dies ist aber immer noch 3mal stärker als die Beleuchtungsstärke, des hoch stehenden Winter-Vollmondes auf eine horizontale Fläche - und viele Menschen fühlen sich bereits durch den Vollmond im Schlafe gestört!"
  • Lichtverschmutzung geht uns alle an (PDF, 7MB)
    "Gemeinden stellen sich offensichtlich unter eine Art Leistungsdruck in der sinnlosen Beleuchtung mancher Gebäude. Man fragt sich: wie kann ich die Nachbargemeinde übertreffen an Helligkeit. Aber die Frage nach dem Sinn, die Frage nach der Verantwortung für die Folgen dieser Lichtverschmutzung wird nicht gestellt, weil daran nicht gedacht wird." Eine Präsentation von Dr. Dietmar Hager (Arzt und Amateur-Astrofotograf, F.R.A.S.) et al.

Lichtverschmutzung gefährdet unsere Gesundheit

  • Lichtsmog bedroht die Gesundheit:
    Von Jahr zu Jahr verschwindet die nächtliche Dunkelheit mehr von unserem Planeten. Mit dramatischen Folgen für die Gesundheit der Bürger, warnen mittlerweile viele Wissenschaftler, unter ihnen die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel:
    "Es gibt Hinweise, dass in stark beleuchteten Wohngegenden ein erhöhtes Krebsrisiko besteht, was Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern betrifft. Da ist sicher auch eine Menge Forschungsbedarf gegeben, aber es gibt entsprechende Hinweise. Zusammenhängen könnte das mit der Ausschüttung des Melatonins. Das ist ja das sogenannte Dunkelheitshormon, was vor allem im Dunklen produziert wird, im Schlaf - und was vor allem auch für einen gesunden Schlaf verantwortlich ist." (www.dradio.de).
  • Dr. Dietmar Hager (s.o.) schreibt folgendes:
    "Melatoninsynthese ist signifikant reduziert unter Lichtexposition eines schlafenden Menschen bei Nacht. Zahlreiche Studien hierzu; z.B.: K. Schulmeister et al. Blask et al. Mögliche Symptome im Falle eines daraus resultierenden Mangels der Wirkung: Kopfschmerzen, Gastrointestinale Symptome (Verdauungsstörungen, etc), Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Gereiztheit, Leistungsminderung. Melatonin ist ein Hormon von zentraler Bedeutung im Hormonhaushalt des Menschen. Es steuert gemeinsam mit dem SCN das Wach-Schlaf-Zentrum und ist ursächlich verantwortlich für einen ausgewogenen erholsamen Schlaf. Des weiteren sei es krebszellsuppressiv und anti-oxidativ wirksam. Die Synthese findet in der Nacht statt und daher ist es von entscheidender Bedeutung, daß der schlafende Mensch in einem tatsächlich dunklen Raum liegt." Quelle: "Lichtverschmutzung – Konsequenzen für die menschliche Gesundheit" (pdf).
  • Lichtverschmutzung im Fernsehen:


Weltraum-Beleuchtung in Gießen?

Foto eines Wohnviertels mit "Posttops":
Prächtige Illumination für Vögel, Flugzeuginsassen, ISS-Astronauten und Mondbewohner?


Die "Straßenlampen" werfen Schatten auf die Straße

Das muss man selbst gesehen haben:


Kafkaesk

"Wenn diejenigen, die das Zentrum der Macht besetzen, im Dunkeln bleiben, dann hat man das Gefühl, die Situation sei «kafkaesk». ... und in der heutigen Gesellschaft weiß man – trotz der scheinbaren Transparenz – auch nicht so genau, wie es in den obersten Instanzen zugeht. Wir wissen nicht, wo das Machtzentrum liegt, wir wissen nicht einmal, ob es ein solches Zentrum überhaupt gibt. Man wüsste gern, wie es dort oben zugeht, aber man lernt allenfalls die Zwischenhändler kennen. Das ist genau wie in Kafkas Proceß.“ (Zitat unter http://de.wikipedia.org/wiki/Kafkaesk)

Die Situation erlebe ich als kafkaesk aus folgenden Gründen:

  • Der Entscheidungsträger gibt sich nicht zu erkennen.
    Es ist nicht klar, wer für die Horizontalstrahler verantwortlich ist. Ich weiß nicht, ob es eine einzelne Person ist oder ein Dunkles Gremium .
  • Keinerlei inhaltliche Antwort der Stadtwerke Gießen.
    "Leider können wir Ihnen inhaltlich keine anderen Informationen geben...: Für die Straßenbeleuchtung ist die jeweilige Kommune verantwortlich, in Gießen also die Stadt Gießen." schrieb mir eine Mitarbeiterin der SWG als Antwort auf meine E-Mail.
  • Keinerlei inhaltliche Antwort der Behörden der Stadt Gießen.
    "Eine Erneuerung der vorhandenen Beleuchtung kann durchaus möglich werden. Sobald konkretere Planungen vorliegen, werden Sie im Zuge der Information nach der Straßenbeitragssatzung von den anstehenden Maßnahmen in Kenntnis gesetzt." schrieb mir ein Behörden-Mitarbeiter ganz allgemein auf meine Anfrage, ob man uns auch einen Horizontalstrahler vors Haus setzen werde. Die Anfrage wurde einfach ignoriert.
  • Zwangsbeleuchtung für die nächsten 30 Jahre?
    Das ist ein Gefühl von Bedrohung und Machtlosigkeit: Eine zukünftige Zwangsbeleuchtung des eigenen Hauses Nacht für Nacht in den nächsten 30 Jahren und es existiert keine Instanz, die auf Anfragen konkret antworten und die Bedrohung abwenden würde.


- März 2010 bis Februar 2012 -

- seit März 2012 -


Die Wende zum Guten

"Bei der Stadt muss es doch irgendwo auch vernünftige Leute geben!“
(ein Gießener Anwohner im März 2012)

  • Eine qualifizierte Stellungnahme aus dem Büro der Bürgermeisterin:
    "Ihre Fotos dokumentieren in beeindruckender Weise die 'Lichtverschmutzung' in/über Gießen. Bei der Installation neuer Straßenlampen bzw. dem Ersatz alter Lampen haben wir den Aspekt der Lichtverschmutzung schon stärker berücksichtigt .... Ich werde die Thematik mit den fachlich betroffenen Stellen in der Stadtverwaltung jedoch auch nochmals erörtern... Soweit Leuchten unerwünschterweise nach hinten das eigene Gebäude bestrahlen, prüfen wir auf Anfrage gerne, ob dies durch den nachträglichen Einbau einer Blende gemildert werden kann."
    Diese erfreuliche Stellungnahme erhielt ich aus dem Büro der Bürgermeisterin am 5. Juli 2012. Das lässt hoffen.

Kindern kann man es erklären

  • Dann sollten es erwachsene Entscheidungsträger auch verstehen:
    Schutzgebiete für leuchtende Sterne (bitte anklicken). Der Zeitungsartikel erschien auf der Kinderseite "Meine Seite" der Gießener Allgemeinen am 10. Juli 2012
  • "Ich würde sagen: 95 Prozent der Politikerinnen und Politiker wissen überhaupt nicht, dass es Lichtverschmutzung gibt." Das liest und hört man man bei www.dradio.de
  • In Frankreich verstehen es auch die Behörden:
    "Ab ein Uhr nachts müssen jetzt Büros, Geschäfte und alle öffentlichen Gebäude ihre Beleuchtung ausschalten. Das liest man bei www.telepolis.de

Gießen vom Weltraum aus gesehen

Das Bild rechts zeigt Hessen bei Nacht.
Gießen, Wetzlar und Marburg sind deutlich zu erkennen
(F=Frankfurt, FD=Fulda, KS=Kassel).
Es ist ein kleiner Ausschnitt einer Aufnahme des Suomi National Polar-orbiting Partnership Satelliten (Suomi NPP).
Quelle und weitere Infos zum Bild:



Die Nachtabschaltung der Straßenlampen in umliegenden Gemeinden

"Noch radikaler verfährt man in Ebsdorfergrund. Dort ist es nämlich schon seit 20 Jahren nächtens zappenduster, weil nicht nur in den Nebenstraßen um 0.30 Uhr die Lichter ausgehen, sondern schlechterdings überall."
Ein Beispiel für gute Recherchearbeit und journalistische Qualität in einer Lokalredaktion.
Zur Vergrößerung bitte anklicken (eine PDF gibts hier):


Quelle: Luft, M.: Wenn’s nachts auf den Straßen dunkel bleibt.
           Gießener Allgemeine Zeitung, gedruckte Ausgabe am 16. 2. 2013
           Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlags der Gießener Allgemeinen Zeitung



Ein Kommentar zum Schluss


Endlich! Nach so vielen Jahrzehnten, scheinen die Gemeinden auf die richtige Idee zu kommen: Wir können die Straßenlampen auch abschalten, zumindest temporär. Wie der Zeitungsartikel oben eindrucksvoll beschreibt, scheint die dunkle Bedrohung nur eine gefühlte zu sein. Das ist bemerkenswert! Man muss aber nicht so weit gehen wie in Ebsdorfergrund und alles abschalten, man kann auch einen vernünftigen Mittelweg einschlagen etwa mit Lampen, die nur nach unten leuchten und nicht blenden. Wetten, dass man mit vernünftiger Beleuchtung 90% des Stromverbrauchs senken,und gleichzeitig den Bedenken der Frauenbeauftragten Rechnung tragen könnte? Und dazu müsste man noch nicht einmal neue LED-Technik einsetzen, man müsste nur mit Sinn und Verstand an die Sache herangehen und die richtigen Experten fragen, freilich nicht die Beleuchtungsexperten mit den Hochglanzbroschüren.

Licht wird von finsteren Mächten als Foltermethode eingesetzt, um Gefangene zu quälen. Aber auch das Licht von Straßenlampen kann ungesund sein und das betrifft uns alle. Ein extremer Fall ist es, wenn man Anwohnern direkt vors Haus einen Fassadenstrahler montiert. Dadurch nötigt man sie eventuell, die Rollläden herunterzulassen und aufs Schlafen bei offenem Fenster für immer zu verzichten. Man greift also in die Privatsphäre der Anwohner ein und zwingt sie zu einer ungesunden Lebensweise. Kein Anwohner sollte sich das gefallen lassen.
In puncto Kriminalität wäre zu bedenken, was passierte, wenn sich jeder in seiner Wohnung hinter den Rollläden verschanzte. Niemand würde hören oder sehen, was draußen vor sich geht und die Räuber würden sich erst recht ungestört fühlen.

Manchmal ist es gut, einen distanzierten Standpunkt einzunehmen. Man fahre an einem milden sternenklaren Abend raus in die höhergelegene Gegend von Königsberg/Hohensolms und suche sich eine dunkle Stelle abseits der Straßenlampen. Wenn man lange genug den Sternenhimmel bestaunt hat, fallen einem die Aufhellungen über Gießen und Wetzlar auf und man wundert sich über die enorme Licht-Verschwendung. Als ob es in ihren Genen verankert wäre, als ob sie unbegrenzte Mittel zu Verfügung hätten, fluten die Menschen immer noch ihre Städte und Dörfer mit dem Licht von Blendlaternen und Fassadenstrahlern. Das scheint für sie ganz normal zu sein. Aber das ist es nicht. Es ist der helle Wahnsinn.

© 3.4.2010 (Upd. 29.7.2014) by Josef Gräf, Ungünstige Straßenbeleuchtung in Gießen